Handbuch - Pflege/Versorgung/Therapie/Begleitung
| Website: | Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt. |
| Kurs: | Vorprogramm |
| Buch: | Handbuch - Pflege/Versorgung/Therapie/Begleitung |
| Gedruckt von: | Gast |
| Datum: | Samstag, 10. Januar 2026, 05:13 |
Inhaltsverzeichnis
- 1. K22-1 Es gibt Methoden zur Identifizierung von Barrieren
- 2. K25-1 Mögliche Auswirkungen von Demenz auf geschlechtliche Identität sind bekannt
- 3. K25-2 Mögliche Auswirkungen von Demenz auf sexuelle Identität sind bekannt
- 4. K25-3 Mögliche Auswirkungen von Demenz auf Menschen mit Migrationsgeschichte sind bekannt
- 5. K26-1 Eine Liste mit diversitätssensiblen Gesundheitsdienstleister*innen ist verfügbar
- 6. K27-3 MA können bei Grund- und Behandlungspflege nach Geschlecht ausgewählt werden
- 7. K28-1 Angehörigen/Wahlfamilien werden bei Bedarf Zimmer/ Schlafmöglichkeiten angeboten oder vermittelt
- 8. K28-3 Angehörige können von der Pflege/Versorgung ausgeschlossen werden
- 9. K29-2 Die Privatsphäre der Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen wird respektiert
- 10. K30-4 Fortbildungen zum Themenkomplex Palliativpflege werden besucht
K22-1 Es gibt Methoden zur Identifizierung von Barrieren
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Anforderung
- Im Rahmen des Aufnahmegespräches wird ein Barriere-Check durchgeführt. Auch Kommunikationsbarrieren werden berücksichtigt.
- Im Rahmen von Pflegevisiten findet ein Barriere-Check statt
Dokumententyp
- Checkliste Aufnahme
- Pflegedokumentation
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Was
- Barrierefreiheit zielt auf die gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben. Besonders bekannt ist der Begriff im Zusammenhang mit dem Baubereich. Barrierefreiheit umfasst aber auch andere Bereiche wie z. B. die Kommunikation.
- Es ist wichtig zu betonen, dass die Identifizierung von Barrieren ein fortlaufender Prozess ist und eine aktive Beteiligung von Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen und der MA erfordert.
- Sobald Barrieren erkannt werden, können Maßnahmen ergriffen werden, um sie zu beseitigen oder zu minimieren und eine bessere Versorgungs- und Lebensqualität für Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen sicherzustellen.
Warum
- Für Menschen mit Be-Hinderungen werden häufig keine angemessenen Vorkehrungen getroffen oder Zugänge geschaffen, die ein barrierearmes Umfeld sicherstellen.
- Menschen mit Be-Hinderung sind heterogen und bringen unterschiedliche Fähigkeiten und Beeinträchtigungen mit, die berücksichtigt werden müssen. Dabei ist es erforderlich, dass sie ein Unterstützungssystem umgibt, das individuell, inklusionsorientiert und professionell agiert.
Wie
- Eine Checkliste oder ein Konzept kann hilfreich sein, um die Zugänglichkeit und Sicherheit von Umgebung für Menschen mit verschieden Bedürfnissen und Be-Hinderungen zu identifizieren. Diese kann bei der Besichtigung der Umgebung oder Versorgung einbezogen werden.
- In der Pflege- und medizinischen Dokumentationen werden mögliche Barrieren dokumentiert.
- Das Sammeln von kontinuierlichem Feedback von Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen und deren Angehörigen/Wahlfamilie kann dabei helfen, Barrieren zu identifizieren und zeitnah anzugehen.
Weiterführende Informationen
- „Damit Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt leben können, brauchen sie: barrierefreie räumliche Strukturen, barrierefreie Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten und einen vorurteilsfreien Umgang miteinander (‚Barrierefreiheit in den Köpfen‘). In diesem Praxishandbuch werden all diese Aspekte mit Blick auf verschiedene Behinderungsarten diskutiert“. Hier gehts zum Handbuch von KSL.
- Weitere Informationen über die Definition von Barrierefreiheit und die verschiedenen Arten von Barrieren finden Sie hier.
- Paragraph 4 des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) definiert „Barrierefreiheit“ folgendermaßen: „Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Hierbei ist die Nutzung behinderungsbedingt notwendiger Hilfsmittel zulässig.“ Hier gehts zum Behindertengleichstellungsgesetz.
- Infos zu barrierefreies Bauen, Planen und Wohnen.
- Für ein gutes Barrierefreiheitsrecht - Barrierefreiheitsgesetz.
K25-1 Mögliche Auswirkungen von Demenz auf geschlechtliche Identität sind bekannt
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Anforderung
- Es gibt MA, die spezielle Kenntnisse hinsichtlich der möglichen Auswirkung von Demenz auf geschlechtliche Identität haben
Dokumententyp
- Protokoll Teamsitzungen
- Alternative: Teilnahmebescheinigungen/-liste Fortbildung
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Was
- Im Jahr 2018 lebten bundesweit rund 1.700.000 Menschen im Alter von 65 und älter mit einer dementiellen Erkrankung. Ausgehend von einem Bevölkerungsanteil von durchschnittlich 7,4 % LSBTI* ergibt sich somit eine Zahl von etwa 125.800 Lesben, Schwulen, Bisexuelle, Trans* und Inter* mit dementiellen Erkrankungen.
- Mit Geschlechtsidentität ist die eigene Wahrnehmung und das eigene Empfinden der Zugehörigkeit zu einem, keinem oder auch mehreren Geschlechtern gemeint.
Warum
- Dementielle Veränderungen bei LSBTI* betreffen die geschlechtliche Identität der Menschen. Folgende Probleme, die in diesem Kontext z.B. bei trans* Personen vorkommen können:
- trans*Personen vergessen, ihre Medikamente zu nehmen, was z.B. zu einer Zunahme des Risikos, Osteoporose zu bekommen, führen kann.
- trans*Personen vergessen möglicherweise, dass sie ihr Geschlecht angeglichen haben und wissen nun nicht mehr, welche Toilette sie benutzen können.
Wie
- Zur Umsetzung sollten mindesten zwei MA geschult sein, um die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz hinsichtlich der möglichen Auswirkung auf geschlechtliche Identität zu berücksichtigen.
- Alternativ können Protokolle von Teamsitzungen aufzeigen, dass der Themenkomplex Demenz und geschlechtliche Vielfalt Gegenstand war.
- Alle Informationen zu Fortbildungen im Programm Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt® finden sich im Dokument Fortbildungsübersicht.
Weiterführende Informationen
- Die Broschüre des Kompetenzzentrums Demenz in Schleswig-Holstein in Kooperation mit der Geschäftsstelle "Echte Vielfalt" und der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein bietet Informationen für unterschiedliche Zielgruppen für den Umgang mit queeren Menschen mit Demenz. Hier geht es zur Broschüre.
K25-2 Mögliche Auswirkungen von Demenz auf sexuelle Identität sind bekannt
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Anforderung
- Es gibt MA, die spezielle Kenntnisse hinsichtlich der möglichen Auswirkung von Demenz auf sexuelle Identität haben
Dokumententyp
- Protokoll Teamsitzungen
- Alternative: Teilnahmebescheinigungen/-liste Fortbildung
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Was
- Im Jahr 2018 lebten bundesweit rund 1.700.000 Menschen im Alter von 65 und älter mit einer dementiellen Erkrankung. Ausgehend von einem Bevölkerungsanteil von durchschnittlich 7,4 % LSBTI* ergibt sich somit eine Zahl von etwa 125.800 Lesben, Schwulen, Bisexuelle, trans* und inter* mit dementiellen Erkrankungen.
- Mit sexueller Identität ist die individuelle Zugehörigkeit, also die Selbstbezeichnung einer Person gemeint, basierend auf der sexuellen Orientierung (Lesbisch, Schwul, Bi+). Sie geht jedoch über die sexuelle Orientierung hinaus.
Warum
- Dementielle Veränderungen bei LSBTI* betreffen auch die sexuelle Identität der Menschen. Folgende Probleme, die in diesem Kontext auftreten können, sind dokumentiert:
- Im frühen Stadium der Demenz besteht insbesondere für lesbische und schwule Menschen häufig die Besorgnis, nicht zu wissen, ob und wie offen sie sich bereits als solche gezeigt bzw. welche „Geschichten“ sie erzählt haben, um nicht in ihrer sexuellen Identität „erkannt“ zu werden.
- Es kann passieren, dass sich die Betroffenen aufgrund der Demenz an Beziehungen aus früheren Lebensphasen besser erinnern als an die gegenwärtige Partnerschaft. Dabei kann es zu einem ungewollten Outing kommen.
- Die Hemmung, sexuelles Begehren zu artikulieren, geht in der Demenz häufig verloren. Eine bisexuelle Frau kann z.B. plötzlich anderen Bewohner*innen einer Einrichtung oder auch weiblichem Fachpersonal romantische Avancen machen. Männer, die in letzter Zeit schwul gelebt haben, entdecken ihre bisexuelle Neigung wieder.
Wie
- Zur Umsetzung sollten mindesten zwei MA geschult sein, um die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz hinsichtlich der möglichen Auswirkung auf sexuelle Identität zu berücksichtigen.
- Alternativ können Protokolle von Teamsitzungen aufzeigen, dass der Themenkomplex Demenz und sexuelle Identität Gegenstand war.
- Alle Informationen zu Fortbildungen im Programm Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt® finden sich im Dokument Fortbildungsübersicht.
Weiterführende Informationen
- Die Broschüre des Kompetenzzentrums Demenz in Schleswig-Holstein in Kooperation mit der Geschäftsstelle "Echte Vielfalt" und der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein bietet Informationen für unterschiedliche Zielgruppen für den Umgang mit queeren Menschen mit Demenz. Hier geht es zur Broschüre.
K25-3 Mögliche Auswirkungen von Demenz auf Menschen mit Migrationsgeschichte sind bekannt
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Anforderung
- Es gibt MA, die spezielle Kenntnisse hinsichtlich der möglichen Auswirkung von Demenz auf Menschen mit Migrationsgeschichte haben
Dokumententyp
- Protokoll Teamsitzungen
- Alternative: Teilnahmebescheinigungen/-liste Fortbildung
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Was
- Laut Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. leben schätzungsweise 100.000 Menschen mit Migrationsgeschichte und Demenz in Deutschland.
Warum
- Menschen mit einer Migrationsgeschichte und einer Demenzerkrankung und ihrer Angehörigen sind im Gesundheitswesen häufig von Diskriminierung und Rassismus betroffen.
- Ihnen begegnen Barrieren im Zusammenhang mit Sprache, Bildung und Traditionen. Um ein Beispiel zu nennen: Bei einer Demenzerkrankung erinnern sich einige nur noch an die Sprache ihrer Kindheit.
Wie
- Zur Umsetzung sollten mindesten zwei MA geschult sein, um die Bedürfnisse von Menschen mit Migrationsgeschichte hinsichtlich der möglichen Auswirkung von Demenz zu berücksichtigen.
- Alternativ können Protokolle von Teamsitzungen aufzeigen, dass der Themenkomplex Demenz und Menschen mit Migrationsgeschichte Gegenstand war.
- Alle Informationen zu Fortbildungen im Programm Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt® finden sich im Dokument Fortbildungsübersicht.
Weiterführende Informationen
- Bei einer Demenz erinnern sich viele nur noch an die Sprache ihrer Kindheit, deswegen ist es sehr hilfreich, wenn sich MA und Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen aufgrund der gleichen Sprache leichter verständigen und Vertrauen aufbauen können.
- Die Demenz kann dazu führen, dass die betroffenen Menschen ein verstärktes Bedürfnis haben, ihre Gewohnheiten von „zu Hause“ beizubehalten. Dazu gehören z. B. das Essen, die Freude am Zusammensein mit der Community, Freizeitgewohnheiten und Spiele, das gemeinsame Singen lokaler Lieder.
- Der Wunsch, das Gewohnte und Vertraute beizubehalten, kann den Eintritt in ein in eine Einrichtung erschweren, wenn diese Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigt werden.
- BMFSFJ: Schwerpunkt Demenz - Migration und Demenz.
- Demenz und Migration.
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.: Demenz und Migration: Neues Informationsangebot der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in arabischer Sprache.
K26-1 Eine Liste mit diversitätssensiblen Gesundheitsdienstleister*innen ist verfügbar
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Anforderung
- Listen von Gesundheitsdienstleister*innen mit dem Fokus auf LSBTI* und Menschen mit Migrationsgeschichte liegen vor
Dokumententyp
- Kontaktliste o. ä.
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Was
- Die Bereitstellung von Informationen über Ärzt*innen und Gesundheitsdienstleister*innen, die sensibilisiert in Bezug auf Menschen mit Migrationsgeschichte und LSBTI* sind, fördert eine integrative Gesundheitsversorgung, die auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Warum
- Diversitätssensible Gesundheitsdienstleiter*innen heranzuziehen, kann sicherstellen, dass niemand aufgrund der Herkunft oder sexueller und geschlechtlicher Identität eine unangemessene medizinische Versorgung erfährt.
- Sie sind in der Lage, die vielfältigen Hintergründe zu verstehen, Missverständnisse zu vermeiden und optimale Versorgung anzubieten.
Wie
- Zur Umsetzung ist die Erstellung einer Kontaktliste mit diversitätssensiblen Gesundheitsdienstleister*innen relevant. Diese kann bei Anfragen vorlegt werden oder in der Einrichtung ausgehängt werden.
- Kontaktieren Sie lokale LGBTI*-Organisationen und MOs (Migrationsorganisationen). Sie können Empfehlungen für diversitätssensible Gesundheitsdienstleister geben.
Weiterführende Informationen
- Mehrsprachige Kommunikation spielt für Menschen mit Migrationsgeschichte eine große Rolle.
- Für eine gute Versorgung ist es wichtig, dass Einrichtungen eine Zusammenarbeit mit auf HIV spezialisierten Ärzt*innen gewährleisten. Das ermöglicht auf der einen Seite eine bestmögliche Behandlung der HIV-Infektion selbst und auf der anderen Seite den kontinuierlichen Wissenstransfer aktueller medizinischer Entwicklungen im Themengebiet HIV. Diesen Wissenstransfer ermöglicht auch eine Zusammenarbeit mit örtlichen Beratungsstellen zum Thema HIV/AIDS. Unter dem Dach der Deutschen AIDS-Hilfe haben sich eine Vielzahl von Organisationen, meist örtliche Aidshilfen, zusammengefunden. Sowohl der Dachverband, als auch die Mitgliedsorganisationen haben eine Vielzahl von Informationsbroschüren entwickelt, die Menschen mit HIV/AIDS und u. a. medizinisches Personal mit diversen Informationen versorgen. Viele örtliche Aidshilfen bieten, neben individuellen Beratungen, auch Fortbildungen zu unterschiedlichen Themen an.
- Recherchieren Sie auf online Community-Portalen (z. B. Gynformation oder Queermed).
- Recherchieren Sie in LSBTI*-Branchenführern (z. B. Siegessäule Kompass).
- Achten Sie auf Praxen, die mit dem Gütesiegel Praxis Vielfalt ausgezeichnet sind auf Praxis Vielfalt.
K27-3 MA können bei Grund- und Behandlungspflege nach Geschlecht ausgewählt werden
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Anforderung
- Bei der Intimpflege können MA nach Geschlecht ausgewählt werden
Dokumententyp
- Pflege-/Versorgungsdokumentation
- Alternative: Pflege-/Versorgungskonzept
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Was
- Die Bevorzugung von MA bestimmter Geschlechter in der Pflege-/Versorgungssituation kann unterschiedliche Gründe mit sich bringen. Es können persönliche, jedoch auch religiöse Gründe vorliegen.
Warum
- Mit wem sich Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen in der Grund- und Behandlungspflege wohlfühlen, ist sehr unterschiedlich. Es ist möglich, dass das Geschlecht der MA in der Pflege-/Versorgungssituation entscheidend dafür ist, wie wohl sie sich fühlen.
Wie
- Halten Sie in der Pflegedokumentation Wünsche hinsichtlich der Bevorzugung von MA fest.
- Beachten sie die individuellen und religiösen Hintergründe.
- Gehen Sie mit Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen ins Gespräch und erörtern Sie dabei die wirklichen Beweggründe, warum bestimmte MA bevorzugt werden. Möglicherweise liegt ein Konflikt vor, der sich klären lässt.
Weiterführende Informationen
- Die Grund- und Behandlungspflege umfasst zumeist intime und körpernahe Tätigkeiten, wie etwa Körperpflege, Ankleiden oder medizinische Maßnahmen. Für viele Menschen ist es wichtig, solche Tätigkeiten von einer Person des gleichen Geschlechts durchführen zu lassen, um ihre Intimsphäre zu schützen und sich in einer verletzlichen Situation sicherer zu fühlen.
- In vielen Kulturen und Religionen gibt es Vorstellungen darüber, wer intime Pflege-/Versorgungsleistungen erbringen darf. Häufig wird dabei bevorzugt, dass Pflege-/Versorgungsleistungen von einer Person des gleichen Geschlechts erbracht werden, um kulturelle oder religiöse Normen zu wahren.
- Menschen, die in der Vergangenheit traumatische Erfahrungen gemacht haben, die im Zusammenhang mit sexuellen Missbrauch oder Gewalt stehen, können in der Pflege/Versorgung besondere Bedürfnisse haben. Das Geschlecht der Pflegekraft kann in solchen Fällen eine zentrale Rolle spielen, um das Risiko einer Re-Traumatisierung zu minimieren.
- Für Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen ist es ein wesentlicher Bestandteil der Autonomie und Selbstbestimmung, Entscheidungen über ihre Pflege/Versorgung treffen zu können.
- Wichtig ist jedoch zu erörtern, aus welchen Gründen eine Auswahl bestimmter MA erfolgt. Wenn ein Konflikt vorliegt, sollte im Fokus liegen diesen zu klären. Eine diskriminierende Haltung seitens der Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen gegenüber MA sollte von allen beteiligten, auch der Leitungsebene ernstgenommen und aufgearbeitet werden.
K28-1 Angehörigen/Wahlfamilien werden bei Bedarf Zimmer/ Schlafmöglichkeiten angeboten oder vermittelt
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Anforderung
- Angehörigen/Wahlfamilien werden bei Bedarf Zimmer/ Schlafmöglichkeiten angeboten oder vermittelt, z.B. im Krankheitsfall oder in der Sterbephase.
Dokumententyp
- Pfleg-/Versorgungskonzept
- Alternative: Pflege-/Versorgungsleitbild
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Was
- Angehörige/Wahlfamilie über Nacht in der Einrichtung oder in unmittelbarer Nähe zu haben, kann für Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen und die Angehörigen/Wahlfamilie selbst in unterschiedlichen Lebenssituationen ein großes Bedürfnis sein.
Warum
- Es gibt Lebenssituationen und Krisen, in denen Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen und ihre Angehörigen/Wahlfamilie über einen Zeitraum einen engen Kontakt und Austausch benötigen. Die Begleitung von Krisen, Krankheit oder dem Tod kann durch die engsten Vertrauenspersonen eine sichere und vertrauensvolle Umgebung schaffen.
Wie
- Ein diversitätssensibles Pflege-/Versorgungs- oder Angehörigenkonzept in der Pflege-/Versorgungsplanung ist erforderlich, um den vielfältigen Bedürfnissen von Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen und ihrer Angehörigen/Wahlfamilie gerecht zu werden.
- Eine weitere Möglichkeit ist die Regelung von Schlafmöglichkeiten für Angehörige/Wahlfamilie in einem Leitbild festzuhalten.
- MA sollten sich auf verschiedene kulturelle Hintergründe einstellen und diese berücksichtigen. Dazu gehören Aspekte wie unterschiedliche Familienstrukturen, Rituale, religiöse Bräuche und Erwartungen an die Pflege/Versorgung.
- Ma sollten sich bewusst sein, wie Vorannahmen kultureller Hintergründe die Wahrnehmung der Pflege/Versorgung beeinflussen können.
Weiterführende Informationen
- Das Konzept sollte den Begriff der Angehörigen erweitern, um auch "Wahlfamilie" einzuschließen. Dies bedeutet, dass nicht nur biologische Verwandte, sondern auch enge Freund*innen oder Personen, die emotional als Familie empfunden werden, in den Pflege-/Versorgungsprozess einbezogen werden können. Eine flexible Definition von Familie ermöglicht es, die sozialen Netzwerke der Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen angemessen zu berücksichtigen.
K28-3 Angehörige können von der Pflege/Versorgung ausgeschlossen werden
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Anforderung
- Angehörige können auf Wunsch der Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen von der Pflege-/Versorgungs(planung) ausgeschlossen werden
Dokumententyp
- Angehörigenkonzept
- Alternative: Pflege-/Versorgungsplanung
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Was
- Angehörige sind häufig automatisch einbezogen, obwohl dies nicht erwünscht ist.
- Für manchen Pflegempfänger*innen ist es wünschenswert, Angehörige von der Pflege-/Versorgung und Planung auszuschließen, da sie in keinem guten Verhältnis zueinanderstehen.
Warum
- Viele, auch ältere LSBTI* haben von ihrer Herkunftsfamilie Ablehnung erfahren bzw. haben seltener eigene Kinder als ältere heterosexuelle Menschen. Für LSBTI* sind daher Freund*innen, die sogenannte Wahlfamilie, oft das wichtigste Unterstützungssystem.
Wie
- Ein diversitätssensibles Angehörigenkonzept trägt dazu bei, die Qualität in der Pflege/Versorgung zu verbessern und sicherzustellen, dass die Einrichtungen für ein breites Spektrum von Menschen zugänglich und akzeptierend sind. Es fördert bei den MA Diversitätskompetenzen und trägt dazu bei, eine fürsorgliche und respektvolle Atmosphäre für alle Beteiligten zu schaffen.
- Das Konzept sollte die Definition von Angehörigen auf die "Wahlfamilie" ausweiten. Das heißt, dass nicht nur biologische Verwandte, sondern auch enge Freund*innen oder Menschen, die emotional als Familie wahrgenommen werden, in den Pflege-/Versorgungsprozess einbezogen werden können. Eine anpassungsfähige Definition von Familie ermöglicht es, die sozialen Netzwerke der der Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen angemessen zu berücksichtigen.
- Lassen Sie die Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen selbst entscheiden, wer im Notfall kontaktiert werden soll. Erfahren Sie bereits beim Erstgespräch den Notfallkontakt. Erstellen Sie am besten eine Kontaktliste, die sie fortlaufend aktualisieren.
K29-2 Die Privatsphäre der Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen wird respektiert
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Anforderung
- MA sind sensibilisiert im Hinblick auf sexuelle Bedürfnisse und Privatsphäre der Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen
- Stationär: Die räumlichen Voraussetzungen bieten die Möglichkeit des ungestörten Zusammenseins
Dokumententyp
- Pflege-/Versorgungskonzept und Sensibilisierungsmaterial
- Alternative: Teilnahmebescheinigungen/-listen Fortbildung
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Was
- Die Privatsphäre ist der persönliche Bereich des Menschen und geht nur ihn selbst was an, so lange Gesetze und Persönlichkeitsrechte anderer Menschen nicht missachtet werden.
Warum
- Die Wahrung der Privatsphäre fördert das psychosoziale Wohlbefinden der Pflegempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen. Sie fühlen sich sicherer und geborgener, wenn sie wissen, dass ihre persönlichen Angelegenheiten geschützt werden. Insgesamt trägt die Achtung der Privatsphäre wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität bei und schafft ein unterstützendes, respektvolles Umfeld in der Pflege/Versorgung.
- Sie ermöglicht es ihnen, ihre Autonomie zu bewahren und sich in ihrer Umgebung wohl zu fühlen. Die Achtung der Privatsphäre ist ein Ausdruck der Würde und des Respekts vor der Individualität und den persönlichen Grenzen der Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen.
Wie
- In einem Konzept können Regeln und der Umgang mit der Privatsphäre von Pflegempfänger*innen formuliert werden. Dieses dient allen MA als Orientierung.
Weiterführende Informationen
- Privatsphäre ist:
- Möglichkeit des Rückzugs schaffen.
- Beachtung von Schamgefühlen: Alle Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen haben ein Recht auf Praktizierung ihrer Sexualität. Respektieren Sie daher die Intimsphäre und ermöglichen Sie Ihnen ungestörtes Zusammensein. Zum Beispiel sollten die MA klingeln, bevor sie die Wohnung der Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen betreten.
- Pflege-Charta - Artikel 3.
- Pflege-Charta in leichter Sprache – Artikel 3.
- Weitere Impulse finden Sie hier.
K30-4 Fortbildungen zum Themenkomplex Palliativpflege werden besucht
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Anforderung
- Innerhalb der letzten vier Jahre haben sich MA in (internen) Fortbildungen mit diversitätssensibler Palliativpflege auseinandergesetzt
Dokumententyp
- Teilnahmebescheinigungen/-liste
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Was
- Palliativpflege zielt darauf ab, die Lebensqualität von Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen am Lebensende ganzheitlich zu verbessern, einschließlich ihrer körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse. Fortbildungen vermitteln MA die notwendigen Fähigkeiten, um diesen ganzheitlichen Ansatz umzusetzen und die individuellen Bedürfnisse von Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen angemessen zu berücksichtigen.
Warum
- Fortbildungen bieten die Möglichkeit, Teamarbeit und Zusammenarbeit zu fördern, um eine koordinierte und umfassende Versorgung sicherzustellen.
- In der Palliativpflege ist eine einfühlsame und effektive Kommunikation mit Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen und ihren Familienangehörigen bzw. Wahlfamilie von entscheidender Bedeutung. Fortbildungen können Fachkräfte dabei unterstützen, ihre empathischen Fähigkeiten zu stärken, schwierige Gespräche zu führen und auf die emotionalen Bedürfnisse der Betroffenen einzugehen.
- Die Betreuung von Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen in der Palliativpflege erfordert oft eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachkräften, einschließlich Ärzt*innen, MA, Sozialarbeiter*innen und Seelsorger*innen.
Wie
- Schulen sie mindestens zwei MA zum Themenkomplex Palliativpflege. MA erlernen wichtige Behandlungsmethoden, Schmerzmanagementtechniken und emotionale Unterstützungstechniken, die speziell auf die Bedürfnisse von Pflegeempfänger*innen/Patient*innen/Klient*innen in der Palliativversorgung zugeschnitten sind. (siehe Fortbildungsübersicht)
- Andere Mitarbeiter*innen sollten sich bei Fragen an die geschulten MA wenden können.
- Alle Informationen zu Fortbildungen im Programm Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt® finden sich im Dokument Fortbildungsübersicht.
Weiterführende Informationen
- Eine Auswahl an Projekten, die sich mit verschiedenen Dimensionen von Diversität in der Hospizarbeit und Palliativversorgung beschäftigen, finden sie hier.
- Aktuelles - Deutscher Hospiz- und Palliativverband e.V.